Höttecke, Dietmar

Beitrag auf der GDCP-Jahrestagung 2007

Experimente führen ein Eigenleben, so formulierte Ian Hacking bereits 1983 eine programmatische Perspektive der Wissenschaftsforschung auf Experimentieren in den Naturwissenschaften. Sie verstand sich als Gegengewicht einer theorielastigen Sichtweise der Wissenschaftsphilosophie. Seit dem haben sich Wissenschaftsgeschichte und -soziologie verstärkt darum bemüht, der Materialiät und Situiertheit des Experimentierens auf die Spur zu kommen. Dabei sind recht provokante Sichtweisen auf Experimentieren entwickelt worden: WissenschaftlerInnen-Handeln ziele darauf ab, Dinge "zum Laufen" zu bringen (Knorr-Cetina), sei mit einer Basteltätigkeit vergleichbar (Rheinberger), sei nur im Rahmen von Systemen verstehbar, die Dinge und Menschen gleichermaßen umfassen, und ihr Ziel bestünde darin, Zeichen und nicht Wahrheiten hervorzubringen (Latour). Der Erfolg von Forschungshandeln im Labor bestünde darin, Ideen, Dinge und Zeichen stabil aufeinander zu beziehen. Was bedeutet dies für schulisches Experimentieren, wenn der Anspruch "gewisser Gemeinsamkeiten" nicht gänzlich aufgegeben werden soll?

 

Referenz:
Höttecke, D. (2008). Fachliche Klärung des Experimentierens. In: D. Höttecke (Hrsg.), Kompetenzen, Kompetenzmodelle, Kompetenzentwicklung (S. 293-295). Münster: LIT-Verlag.